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Yvette:
Claudia,
die Fans finden dich total lieb und nett und möchten gerne mal
wieder mehr von dir sehen. Warum tauchst du so selten im
Fernsehen auf?
Claudia:
Ich war ja nie Sängerin oder so... für mich ist das eigentlich
ganz normal. Dann kam natürlich Alexander und ich glaube, wir
waren einfach in einer Lebensphase, wo ich meine Funktion als
Partnerin eher, so blöd das auch klingt, so klassisch im
Nestbau sah. Bei all diesem Stress ist es ja auch wichtig, dass
er nach Hause kommt und irgendwie eine Base findet. Ich finde
meine Rolle dort wichtiger, als irgendwo jetzt mein Gesicht in
die Kamera zu halten. Astrid:
Man
sieht, dass ihr sehr glücklich miteinander seit und es wird
gefragt, wann und ob es bald ein Geschwisterchen für Alexander
geben wird? Oder funktioniert immer noch die Geschichte mit der
Eisenbahn?
Thomas:
(grinst
und meint dann ganz trocken): Schatzi, fürs Eier legen bist du zuständig!
Claudia: Also ich finde, wie ihr alle richtig bemerkt habt, wir sind
eine echt glückliche Familie und ich glaube wir sind..... na ja
verliebt (lacht). Ich bin jetzt ganz ehrlich... Natürlich liebt man
sich und Schmetterlinge im Bauch, die kommen im Urlaub, im Alltag
gehen sie ein wenig verloren. Jeder hat seine Rolle in dieser
Dreier-Beziehung eingenommen und ich glaube, dass das mit 2
Kinder schwieriger wäre. Also ihr wollt mich ab und zu mal im
Fernsehen... mit 2 Kindern ist das gar nicht mehr möglich. Da
geht der eine in die Schule, der andere in den Kindergarten. Das
kostet immer Zeit und Kraft und das muss eben auch da sein. Wenn
ich dann noch mehr ein anderes Leben lebe, da mein Mann sehr
viel unterwegs ist, entscheide ich mich in jedem Fall, in
unserer jetzigen Lebensphase, wo wir noch sehr glücklich
miteinander sind, eher für eine Zweisamkeit. Yvette:
Das
TA-Jahr 2006 wurde von zwei ganz besonderen Ereignissen geprägt.
Zum Einen deine Teilnahme beim Vorentscheid des Eurovision Song
Contest und zum
Anderen die VÖ deines neuen Albums. Bleiben wir beim Grand Prix - wie
wir alle wissen, durftest du als Zweitplatzierter nicht nach Athen
fahren. Könntest du dir trotzdem noch mal vorstellen mit dem Grand
Prix
in Kontakt zu kommen?
Thomas: Dort noch mal zu singen, könnte ich mir momentan nicht
vorstellen. Das war eine sehr harte Zeit. Das heißt ja nicht
nur, dass man an diesem Tag oder mal 2-3 Tage vorher Proben hat,
ihr habt es z.T. ja mitbekommen, was das Privat- oder
Familienleben betrifft... es existierte nicht mehr. Ganz konkret
auf ein Ergebnis hinarbeitend, dass war sehr Kräfte zehrend und
für mich ging es ja dann noch weiter mit Promo fürs neue
Album. Das ging ja nahtlos ineinander über.
Momentan würde ich
bei einem GP-Vorentscheid auch nicht mehr mit machen. Ich bin
eigentlich auch ganz froh, nicht in Athen gewesen zu sein. Es
ist für einen Künstler, der seinen Beruf und die Musik sehr
ernst nimmt, schon frustrierend, dass das Augenmerk mehr auf
Showelemente gelegt wird, als im Grunde auf Musik. Und was wir
nicht vergessen dürfen, der GP hat nun 40 Jahre Geschichte
hinter sich, es
ist eigentlich ein Wettbewerb zwischen Komposition und Text. Es ist heute
aber kein
Songfestival mehr, es ist eigentlich ein Showfestival geworden.
Da sehe ich mich aber nicht drin. Ich möchte nicht 60-70
Prozent in Showelemente investieren, dass ist für mich die
falsche Adresse. Das sollen Leute machen, die nicht singen
können, die sollen dann Show machen. Da sehe ich meine
Qualität und Herausforderung im Singen. Texas Lightning machte z.B. Platz 15
und da müsst ihr euch mal vorstellen, ich will es auch gar nicht
weiter kommentieren, stellt euch mal vor, TA hätte Platz 8
gemacht... was das in Deutschland ausgelöst hätte (oh je die
Presse). Da hätte es geheißen: Oh Gott, Herr Anders schafft
nur Platz 8. Bei TL und Platz 15 war es aber OK. Da frage ich
mich, ob ich mir das antun muss. NEIN!!!
Als der NDR angefragt hatte,
dachte ich noch: Ach, warum eigentlich nicht? Aber man kommt
dann in so einen Sog rein, dass man da gar nicht mehr raus kommt,
auch wenn man möchte. Das geht gar nicht mehr, mal unabhängig
auch von den Verträgen. Man ist auch so davon überzeugt, gute
Chancen zu haben und ich denke immer noch, dass meine
Performance, wie ich da aufgetreten bin, dass lag nicht an
meinem Können, dass ich "nur" Platz 2 gemacht habe.
Ich habe mich nicht versungen, ich habe mich nicht verspielt und
ich habe keine blöde Figur abgegeben. Der Publikumsgeschmack
war eben ein anderer und sie wollten nun eben TL. Ich würde
jedenfalls für mich momentan entscheiden: Nein, ich möchte
jetzt nicht mehr. Astrid:
Mit
deinem aktuellen Album "Songs forever" hast du deine
Fans sehr überrascht und zum Teil auch die Gemüter sehr
gespalten. Wird es in der Form von "Songs forever"
noch mal ein Studioalbum geben, aber mit eigenen Songs, die du
selber geschrieben hast?
Thomas:
Ich weiß momentan gar nicht, was mit dem neuen Album passiert.
Ende Januar werde ich mir darüber Gedanken machen, welche Form
bzw. was es werden soll. Ich möchte zu "Songs
forever" folgendes sagen: Natürlich kommt niemand zu mir
und sagt "Ich fand dein Album Scheiße", es kommen
wenn dann nur Menschen, die sagen "Ich fand es ganz
toll." Gerade beim Foto machen haben viele Fans gesagt
"Mein Gott, bitte noch mal so ein Album. Das ist mein
Lieblingsalbum bzw. ich finde das Album ganz großartig."
Aber es hat niemand den Mut, der zu mir kommt und sagt, dass er
das Album beschissen findet.
Ich finde so ein Album war für
mich einfach wichtig.
Ich wusste, dass ich auf der Basis von
"This Time" nicht weitermachen sollte. Ich wollte
irgendwie nicht einfach Studio bzw. Keyboard produzierte
Popmusik machen, weil ich das für mich so nicht mehr empfinde.
Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass
heiß jetzt nicht, dass alle Songs nur Balladen sein müssen,
auch nicht elektronische Musik kann sehr Rhythmus betont sein.
Aber "Songs forever" war für mich sehr wichtig und
das ist, glaube ich, auch mal gestattet.
Oft ist bei Fans
natürlich das Problem, dass kennt man aus MT-Zeiten, eigentlich
hätten sie gerne gehabt, dass YMHYMS jedes Jahr noch mal neu
auf den Markt kommt. Das geht aber nicht. Man hat doch YMHYMS.
Ich brauch doch nicht jedes Jahr das Gleiche YMHYMS. Ihr
könnt euch alle daran erinnern, gerade wer sich so in den
verschiedensten Foren auskennt: Jedes MT-Album war das schlechteste,
was wir je auf den Markt gebracht haben. Es wurde verrissen bis
der Arzt kommt und so nach ca. 2 Monaten kamen die ersten
Einträge: "Ich muss meinen Eintrag revidieren, ich habe
mir das jetzt 85.000 mal angehört und muss sagen, dass es doch
ein ganz tolles Album ist."
Also, Musik braucht Zeit und
ich bin Künstler, der auch Vorgaben geben muss und auch ein
Künstler muss sich entwickeln. Ich kann doch nicht zu meinem
Publikum gehen und sagen: "Wie glaubt ihr, soll ich mich
entwickeln?" Da haben wir doch eine verkehrte Welt! Das
kann ich doch nicht machen. Ich muss doch Vorgaben geben, ihr
dürft entscheiden, ob euch das gefällt oder nicht. Man muss
mir als Künstler die Möglichkeit geben, etwas auszuprobieren.
Und "Songs forever" ist doch nicht das Ende der
Fahnenstange, welches das letzte Album meines Lebens sein wird.
Ich habe vor noch viele Jahre zu singen und noch weiter zu
experimentieren. Yvette:
Die
Fans lieben unter anderem Balladen von dir, die anderen
wünschen sich Pop- und House-Elemente bzw. fetzige Schlager,
bei denen man abtanzen kann. Es ist doch ein unmögliches
Unterfangen sich nach den Wünschen der Fans zu richten. Wie
gehst du damit um? Thomas:
Ich gehe gar nicht damit um. Da sind wir nämlich exakt bei dem
Punkt, was ich eben sagte. Ich muss nach mir gehen, ich muss
danach gehen, wie ich empfinde und wie ich mich als Künstler
sehe und auch weiter entwickelt sehen möchte. Der Komponist der
all diese Dinge in einem Song unterbringt, der muss
wahrscheinlich erst noch geboren werden, denn das geht gar
nicht. Man sieht also, dass jeder Geschmack unterschiedlich ist.
Das Album wird wahrscheinlich nicht mehr in diesem Jahr kommen,
aber dafür werden wir unter Umständen bei der nächsten
Fanclub-Party dazu kommen, ein ganz exklusives Highlight erleben
zu dürfen. Ich weiß noch nicht.
"Songs forever" war
jetzt nicht übermäßig erfolgreich, aber ich brauchte auch für
mich die Zeit, um zu analysieren, woran es lag und wieso es so
war und auch, um damit zurecht zu kommen. Wenn man nur Erfolge
feiert, dann ist das Leben immer schön, aber man braucht einfach
die Zeit dazu. Ich lasse jedes halbe Jahr Analysen von mir
machen und das Interessante daran ist, dort gibt es eine Diskrepanz
zwischen Akzeptanz und zwischen Verkäufen. Es gibt ganz viele,
die sagen: "Es ist ganz toll, was der Anders so
macht", die aber trotzdem das Album nicht gekauft haben. Da
kommen wir zu einer anderen Geschichte, wo man sich fragt, ob es
vielleicht an der PR lag... vielleicht hätte man da etwas
anders stricken müssen. Es kommen sehr viele Anfragen, gerade
auch in Deutschland aus dem Gala- und Eventbereich, wo gesagt
wird: "Wir möchten gerne den Thomas Anders buchen, aber bitte mit
seinem neuen Programm", was für ich total komisch war,
weil ich mich fragte: "Neues Programm, wo ist denn das alte
Programm?" Aber die Menschen differenzieren zw. NEU und
ALT. Alt ist MT, dieser Sinti-Pop und neu ist diese Hand
gemachte Musik. Astrid:
Wäre
es denkbar, dass du ein gemischtes Album machst, was
verschiedene Elemente z.B. Pop, Jazz, Akustik oder auch Balladen,
enthält?
Thomas:
Nein, es muss immer eine Linie haben. Ich kann genau sagen, was
passiert, wenn ich ein Album aufnehme, welches ein paar
Jazz-Elemente, ein paar Pop- und Dance-Geschichten dabei hat,
dann werden mir die Medien dieses Album so um die Ohren schlagen
bis ich blute. Denn die fragen sich dann, ob ich ich einen
Gemischtwarenladen aufmachen will oder was will der Anders
eigentlich sonst? Es ist leider so, dass man schon in eine
Richtung gehen muss. "Songs forever" war natürlich
sehr balladig, aber es heißt doch nicht, das ich nur mit
Live-Streichern arbeiten muss. Ich möchte auch beim nächsten
Album einfach wieder
versuchen auf tolle Songs zu gehen, die dürfen auch gerne
schnell und rhythmisch sein, aber der Song muss wieder im
Vordergrund stehen. Was mich in letzter Zeit in der Popmusik etwas nervt,
dass ich das Gefühl habe, der Song ist zweitrangig. Die Stimme und der Künstler sind zweitrangig. Es zählt
Produktion und das möglichst mit den neusten Gags und
Verfremdungen in den Produktionen und wer das drin hat, der ist
weit vorn. Das muss man einfach mal ändern und ich traue mir
zu, dass ich die Stimme habe, es zu ändern. Ich kann es einfach
machen und möchte es im Grunde auch machen. Es wird garantiert
kein Balladen-Album, aber ich muss meine musikalische Mitte
finden und das werde ich auch mit dem neuen Album
machen.
Frage
aus dem Publikum:
Wann singst du wieder mehr MT Songs? Thomas:
Ich
singe in all meinen Shows MT. In Arad zu Silvester letztens habe
ich von 70 Minuten ca. 55 Minuten MT gesungen. In Heilbronn, wo
ich in einem kleinen Theater auftreten werde, was auch sehr intim
sein wird, da nur c. 180-200 Personen reinpassen, wird es ein 90
Minuten-Konzert gegen und auch da werden MT-Songs dabei sein. Es
wird etwas anders als in Zweibrücken sein. In Zweibrücken
hatte ich eine 8-Mann Band und in Heilbronn werden wir nur zu
viert oder zu fünft sein. Es ist ein Zwischending zwischen
"Songs forever" und Zweibrücken, also irgendwas so in
der Mitte.
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