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Thomas Anders - Ander[e]s... |
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Am 11.Februar 03 drängten sich fast 400 geladene Gäste in der
Niederlassung von Mercedes Benz in Koblenz. Die Veranstaltung
unter dem Motto „Human Brand – Marke Mensch“, zu der Joachim
Zeutzheim, Präsident des Marketing-Clubs Rhein-Mosel geladen
hatte, konnte an diesem Abend mit einen ganz besonderen
Gastredner aufwarten. Thomas Anders – Star von Modern Talking
und Stimme des berühmten Pop-Duos, hinterfragte die Branche, die
auch er so erfolgreich mitgeprägt hat, überraschend kritisch.
Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Mythen und Legenden um die
ganz Grossen des Showgeschäfts rankten und mit der
unwiderstehlichen Aura der Unerreichbarkeit paarten. Heute
werden Stars markt- und mundgerecht für jedermann
nachvollziehbar am Fließband produziert. Aber haben die
Kurzzeitberühmtheiten von heute wirklich das Zeug zum Star?
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"Kann heute jeder ein Star werden?" - mit Charisma und Charme
stellt der symphatische Publikumsmagnet eine Frage, die gerade
in den Tagen Sensationsgeladener Superstar-Spektakel aus Sicht
motivierter Macher längst beantwortet scheint. Und als Koblenz'
vermutlich einzig wahrem (Welt-) Star steht sie Pop-Ikone Thomas
Anders allemal zu.
Schon als Kind sah sich Bernd Weidung – wie Thomas Anders mit
bürgerlichem Namen heißt - eher als Ästhet denn als Athlet, zog
er die Macht der Musik Muskelbepacktem Sportenthusiasmus vor.
Schon während der Schulzeit nahm er an Talentwettbewerben teil,
bevor er dann am Koblenzer Eichendorff-Gymnasium den
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seltenen Musik-Leistungskurs belegte und in Mainz Germanistik,
Publizistik und Musikwissenschaft studierte. Ein
Schlagerwettbewerb von "Radio Luxemburg" brachte ihm auf einigen
Umwegen 1980 seinen ersten Plattenvertrag ein.
Drei Jahre später traf er sich zum ersten Mal mit
Dieter Bohlen – das Pop-Duo Modern Talking wurde geboren und mit
"You´re My Heart, You´re My Soul" landeten sie ihren ersten
Welt-Hit, der die deutschen Single Charts toppte und sechs (!)
Wochen auf Platz 1 blieb. In den folgenden Jahren feierte Modern
Talking weltweite Erfolge. 1987 trennten sich die beiden, gingen
eigene Wege. Thomas Anders verschlägt es nach Los Angeles, wo er
erfolgreich solo debütierte, umjubelte Welttourneen startete.
1998 fanden Bohlen und Anders erneut zusammen - und der Erfolg
von "Modern Talking" ist bis heute ungebrochen.
Einige seiner Regeln kennt und offenbart der clevere,
Stimmbegabte Entertainer, der seine Heimat wieder in Koblenz
gefunden hat - gemeinsam mit Ehefrau Claudia, Sohnemann
Alexander-Mick und nicht zu vergessen Malteser-Hündin
Christinchen. |
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„Vor
allem die Treue der Fans", erklärt Thomas Anders, "hat sich im
Laufe der Jahre rapide reduziert." Aus Produzentensicht erweise
sich diese Tendenz als unangenehm unberechenbar. Kein Wunder
also, dass moderne Casting-Konzepte wie bei den "No Angels" oder
"She'loe" auf eine ausgesprochen marktnahe Besetzung abzielen.
Die Gefahr allerdings sieht Thomas Anders darin, dass durchaus
begabten Nachwuchstalenten auf diese Weise ein Image aufgestülpt
wird, das nicht zu ihnen passt - und ihnen dann ein Leben lang
nachhängt. "Images nämlich", so Thomas Anders, "sind extrem
hartnäckig. Noch heute verbindet man mit meinem Namen lange
Haare und mein Nora-Kettchen. Das trage ich aber seit zwölf
Jahren nicht mehr."
Das
Geheimnis manch zeitgemäßen Erfolges sieht das Musikbeflissene
Multitalent in der - wie er meint - kaum verwunderlichen
Übertragung aktueller Erkenntnisse der modernen
Markt(ein)führung. "Marke Mensch - kein schöner Ausdruck", so
gesteht Thomas Anders mit leicht betrübtem Blick "doch jeder
Star wird´s." Unversehens beschreibt er damit die offensichtlich
unausweichlichen, unveränderbaren Parameter der Showbranche,
geht plötzlich Dingen auf den Grund, die nicht jeder an diesem
Abend erwartet hat:
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Menschen werden dinglichen Produkten gleich vermarktet,
unterliegen somit den meist erstaunlich gut vorhersehbaren
Zyklen harter Verkaufsstrategien - von jeher auch die
Erfolgsgrundlage Nummer eins des Gespannes Bohlen-Anders.
Als "Human Brand" werde jeder Star so zwangsläufig zur
prädestiniert-präsentierten Projektionsfläche für Wünsche und
Sehnsüchte seiner Fans. Ein bizarres Phänomen", resümiert der
Sänger, "das sich unter anderem durch eine enorm gestiegene
Nachfrage an Stars erklären lässt."
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Präzise
analysiert Anders seine und die artverwandten Branchen: Dutzende
neuer TV-Sender ringen um die Gunst von Millionen
zahlungskräftigen (Quoten-Haushalten, betreiben mit öffentlichen
Castings Marktforschung und Bedürfnisbefriedigung in einem
Aufwasch, reagieren so blitzschnell auf Veränderungen im
Konsumverhalten und passen sich auf diese überaus
publikumswirksame Weise beängstigend behende an. Die allgemeine
Verbreitung der Vorstellung, jeder habe das Zeug zum Star, müsse
"nur" entdeckt werden, kommt kommerziell - wen wundert´s - allen
Seiten sehr gelegen. Auf der Strecke bleibt lediglich die Frage,
wo träumerische Illusion endet und der gewissenlose Raubbau an
der Menschlichkeit beginnt. |
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Eine Frage, die sich Thomas Anders als jemand, der beide Seiten
- sowohl die des Bühnenerprobten Vorzeigesignets, als auch die
des zurückhaltenden Mannes im Hintergrund - kennt, sehr wohl zu
Herzen nimmt.
Seit mehr als zwei Jahren nämlich hat die markante Stimme von
"Modern Talking" seinen eigenen Produktionsbetrieb, weiß um die
raue Wirklichkeit scheinbar glückselig strahlender
Sängersternchen und gewährt seinem Publikum einen kurzen Blick
auf die andere Seite des Showgeschäfts: "Als Produzent suche ich
Menschen, die Starpotenzial besitzen und mit denen ich meine
musikalischen Visionen verwirklichen kann." Er setzt dabei auf
langfristige Qualität - und die Zeit, die – seiner Meinung nach
- jeder Star braucht. Genau die aber fehle zum Beispiel
"Deutschlands Superstars", die durch das hautnah miterlebbare
Aussiebverfahren im Stile von "Big Brother" Tag für Tag
(mediengerechten) nervlichen Zerreißproben ausgeliefert würden.
Man verkaufe sie bereits als "Superstar", bevor sie es seien,
meint Thomas Anders. Ihr Erwartungsdruck steige ins
Unermessliche, sie degenerierten zu Fast-Food-Stars.
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"Diese
Rechnung geht nicht auf. Denn früher war ein Star ein Mensch,
der sich ausschließlich durch herausragende Leistungen
auszeichnete." Anders Kritik jedoch greift weniger die
vielfältigen Möglichkeiten, die heutzutage Otto
Normalverbraucher genießt, sich zu ersehntem Starruhm
aufzuschwingen, sondern konzentriert auf den frühzeitigen Aufbau
schier unerreichbarer Erwartungshaltungen - und die gehe fast
ausschließlich von der (Profitgetriebenen) Macherseite aus.
Thomas Anders postuliert grundsätzliche Fragen: "Eignet sich ein
Mensch zum Star? Darf man ihn wie ein Produkt behandeln und was
empfindet er dabei? Warum geht´s bei dem einen gut und bei dem
andern schief?" Als Star von Weltruhm erarbeitet sich Anders
ethische Tiefen, beeindruckt sein Publikum nachhaltig. Weder er
selbst, noch unzählige Marketingstrategen werden Ad-hoc-Lösungen
auf diese Fragen finden. Auf die Antworten - so wurde in einem
bewegenden Vortrag schlagartig klar - kommt es wohl weniger an.
Allein, die Fragen zu stellen, zeichnet menschliche Weitsicht
aus, führt zu wirklichem Erfolg für beide Seiten. |
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Fast
ein wenig weise wirkt Familienvater Thomas Anders - obwohl noch
keine 40 - und sehr besonnen, als er an sein Publikum
appelliert: "Bitte gestatten Sie den Stars, dass sie sich im
Laufe ihres Lebens auch wandeln dürfen." Er selbst hat das getan
und sogar viel Lehrgeld dafür bezahlt. Er hat es geschafft, eine
Marke zu sein - respektiert, geehrt und etabliert.
Nach prüfender Betrachtung beantwortet der wortgewandte und
Welterprobte Koblenzer Thomas Anders seine eingangs gestellte
Frage am Ende mit den Worten: "Viele können zum Sternchen
werden, aber nicht jeder ein Star. Und nur die wenigsten bleiben
es ein Leben lang."
Textauszüge von Marcus Dietz – mit freundlicher Genehmigung von
E&W, Koblenz
Copyright aller Fotos von Wallrath
für E&W, Koblenz
Mit freundlicher Genehmigung von
E&W, Koblenz
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