Sendung in der ARD am 25. Oktober 2003 um 20:15 Uhr live aus
dem Coloneum in Köln.
Nach
der PISA-Studie vor zwei Jahren, bei der die Schüler
Deutschlands im europaweiten Vergleich von insgesamt 32
Ländern nur einen Platz unter 20 belegten (Finnland belegte
Platz 1), will die Diskussion über die Bildung in Deutschland
nicht enden. Wie dumm ist Deutschland wirklich? Und sind die
Erwachsenen besser als die Kinder und Jugendlichen? Die ARD
wagte den Versuch, dieser Frage in einer anspruchsvollen
Unterhaltungssendung nachzugehen. Moderator Jörg Pilawa, der
den „Klassensprecher“ spielte und die Show als „die größte
Klassenarbeit weltweit“ bezeichnete, sagte im Vorfeld in einem
Interview, diese Show hätte man nicht proben können, sie wäre
ein Experiment und für ihn als Moderator der „absolute
Freiflug“. In der Tat war die Show ungewöhnlich: Im riesigen
Coloneum gab es kein Publikum, dafür schwitzten 320 Kandidaten
und 16 Prominente über den 20 Aufgaben. Die Kandidaten
stammten aus den 16 Bundesländern, je 20 Personen wurden
repräsentativ nach Geschlecht (10 Frauen, 10 Männer), Alter,
Beruf, Familienstand, Schulabschluss usw. ausgewählt. Jede
Gruppe wurde von einem Prominenten aus dem jeweiligen
Bundesland angeführt. Thomas Anders war der Pate für
Rheinland-Pfalz, weitere bekannte Gesichter waren z. B.
Aleksandra Bechtel für Nordrhein-Westfalen, Caroline Beil für
Hamburg, Hannes Jaenicke für Hessen.
Im PISA-Ländertest sollte das Bundesland ermittelt werden, in
dem die schlauesten Bürger wohnen. PISA will jedoch nicht die
Intelligenz der Kandidaten testen, sondern es geht um die
Anwendung gelernten Wissens im Alltag, um Verstehen, Begreifen
und die Lösung von Problemen. Oft helfen keine Formeln,
sondern man muss die Fragestellung richtig verstanden haben
und gegebenenfalls auch mal „um die Ecke“ denken können.
So
gab es zu Beginn der Sendung eine Fragerunde zum Einstieg,
auch aus dem Grund, weil die Technik in der Halle noch nicht
funktionierte. Beispiel: Jörg Pilawa hielt beide Hände hoch
und fragte, wieviele Finger zu sehen wären. Antwort: 10
Finger. Dann eine Hand. Antwort: 5 Finger. Dann klappte er den
Daumen nach innen, zeigte aber den Kandidaten die Handfläche.
Viele riefen, es wären 4 Finger zu sehen. Falsch, denn den
Daumen konnte man immer noch sehen, also 5 Finger. Noch ein
Beispiel: Ein Stift kostet 1,10 EUR. Man kann Stift und Kappe
einzeln kaufen, dann ist der Stift 1 EUR teurer als die Kappe.
Vieviel kostet der Stift? Antwort: 1,05 EUR, die Kappe kostet
0,05 EUR. Einfach und doch kompliziert!
Als die Technik endlich stand und auch die Fernsehzuschauer zu
Hause per Internet über www.pisa-laendertest.de online
mitmachen konnten, gab es eine letzte Probeaufgabe. Diese
wollte Jörg Pilawa mit einem der Prominenten machen. Er
schaute sich um, die Promis guckten wie Schulkinder unschuldig
an die Decke ;-). Thomas Anders wurde ausgewählt, weil er sich
freiwillig nicht gemeldet hatte. Die Frage lautete: Auto A
fährt mit 150 km/h von Berlin nach Köln. Auto B ist zur
gleichen Zeit in Köln losgefahren und kommt ihm mit 100 km/h
entgegen. Welches Auto ist weiter von Berlin entfernt, wenn
beide sich treffen? Für die Lösung standen 15 Sekunden Zeit
zur Verfügung. Thomas tippte auf Auto B, weil es langsamer
fährt. Die überraschende Lösung: Beide Autos sind gleich weit
von Berlin entfernt, denn sie haben sich ja getroffen und
stehen nebeneinander! Da kommt der Sinn von PISA zutage,
Rechnen nützt nicht immer, man muss den Sachverhalt verstanden
haben.
Die Prominenten saßen vor den Kandidaten an Pulten, an denen
der Buchstabe aufleuchtete, den die Mehrheit der Kandidaten
aus dem Bundesland getippt hat. Hat der Promi die gleiche
Lösung eingegeben, leuchtete eine weiße Lampe, hat er anders
getippt, leuchtete es rot auf.
Nun
wurde es ernst! Zu Beginn aller vier Themenblöcke wurden
Einspielfime gezeigt, in denen Passanten in einer
Fußgängerzone mit je einer Frage aus dem Themengebiet
konfrontiert wurden. Es war schon erstaunlich, was manche
Leute so alles an Lösungen parat hatten. Das erste
Themengebiet hieß „Sehen, Hören und Verstehen“. Es gab 5
Aufgaben zu lösen, bei der 5. ging es um eine Rennstrecke, die
gefilmt wurde. Anhand der Kurven sollten die Kandidaten aus
drei Lösungsmöglichkeiten die richtige Strecke herausfinden.
Jörg Pilawa stellte fest, dass im Block von Rheinland-Pfalz
gelacht wurde und fragte Thomas, ob er die ganze Zeit „Geronimo’s
Cadillac“ gesummt hätte. Thomas lachte noch mehr und verriet
seinen Tipp. Die Antwort war sogar richtig, Thomas hatte sich
den Verlauf der Rennstrecke eingeprägt, indem er „mitgefahren“
sei, und er hätte Glück gehabt bei der Lösung.
Das Teilergebnis des ersten Themengebietes, nur die ersten
acht Bundesländer: 1. Thüringen, 2. Schleswig-Holstein, 3.
Berlin, 4. Baden-Württemberg, 5. Nordrhein-Westfalen, 6.
Brandenburg, 7. Mecklenburg-Vorpommern, 8. Sachsen.
Das zweite Themengebiet folgte sofort, es ging um
„Naturwissenschaften“. Auch hier waren 5 Aufgaben zu lösen,
alle mit Bezug auf das tägliche Leben. Das Teilergebnis
lautete: 1. Thüringen, 2. Schleswig-Holstein, 3. Bayern, 4.
Nordrhein-Westfalen, 5. Sachsen, 6. Sachsen-Anhalt, 7.
Saarland, 8. Baden-Württemberg.
Nach
einer musikalischen Pause (leider NICHT Thomas Anders) ging es
mit dem dritten Themengebiet „Mathematik“ weiter. Die
Kandidaten stöhnten noch lauter auf als beim vorherigen Thema.
Wieder wurde eine der 5 Aufgaben mit tatkräftiger
Unterstützung von Thomas gelöst. Es ging um zwei Sorten
Teppichfliesen, 20 x 20 cm groß für 2 EUR das Stück, und 25 x
25 cm groß für 2,50 EUR das Stück. Frage: Welche Sorte ist
beim Händler pro Quadratmeter günstiger? Es wurde ein
Handwerker gesucht und es meldete sich ein Fliesenlegermeister
aus Rheinland-Pfalz. Schon durfte Thomas eine Platte
festhalten, die 1 qm groß war und in 20 x 20 cm große Quadrate
aufgeteilt war. Das benachbarte Saarland bekam die Platte mit
der 25-cm-Einteilung. Sofort war zu sehen, dass von den
kleinen Fliesen 25 auf einen Quadratmeter gingen, von den
großen nur 16. Also kosten die kleinen Fliesen 50 EUR pro qm,
die großen nur 40 EUR. Die großen sind also günstiger!
Am Ende der Aufgaben sah die Tabelle wie folgt aus: 1.
Schleswig-Holstein, 2. Nordrhein-Westfalen, 3. Saarland, 4.
Sachsen, 5. Sachsen-Anhalt, 6. Thüringen, 7.
Baden-Württemberg, 8. Bayern.
Als letztes Themengebiet kam „Problemorientiertes Denken“
dran. Hierbei nützen keinerlei Formeln oder auswendig
gelerntes Wissen. Es geht dabei um das Verstehen komplexer
Probleme aus dem Alltag, wobei man Wissen aus verschiedenen
Fachgebieten miteinander kombinieren muss, um zur Lösung zu
gelangen. Ganz schön knifflig! Am Ende der spannenden Aufgaben
gab es leider keine Grafik mit den Platzierungen der
Bundesländer.
Spannend
wurde es bei der Bekanntgabe der Endergebnisse, die nach einer
weiteren musikalischen Pause (wieder nicht Thomas, wie
schade!) verkündet wurden. Der Beste von den Kandidaten war
ein Mann aus Thüringen, aber Saalsieger wurde jemand von den
Prominenten: Achim Menzel, Volksmusiker aus Brandenburg. Er
hatte sich nach eigenen Angaben mit alten Schulbüchern auf die
Show vorbereitet. Auf Platz 2 bei den Prominenten kam
Schauspielerin Christine Neubauer aus Bayern. Den 3. Platz
teilten sich Tanja Schumann, Aleksandra Bechtel und... Thomas
Anders! Sie hatten je ein Drittel der Aufgaben richtig gelöst.
Das Gesamtergebnis aller Bundesländer sieht wie folgt aus: 1.
Thüringen, 2. Schleswig-Holstein, 3. Nordrhein-Westfalen, 4.
Saarland, 5. Berlin, 6. Bayern, 7. Hamburg, 8. Sachsen-Anhalt,
9. Rheinland-Pfalz, 10. Sachsen, 11. Mecklenburg-Vorpommern,
12. Baden-Württemberg, 13. Brandenburg, 14. Niedersachsen, 15.
Hessen, 16. Bremen.
Einen Glückwunsch an Thomas, dass er sich so gut geschlagen
hat. Und wie man in der Show immer wieder sehen konnte, hielt
er ständigen Kontakt zu den Kandidaten aus seinem Bundesland.
Sie scheinen sich gut verstanden zu haben und bildeten ein
schönes Team.